Kolumbus Day und Emotionen

Unser letzter Tag in der „Stadt die niemals schläft“ beginnt mit trüben Wetter und einem endlich ordentlichen Frühstück. Dunkles Brot, Käse und Wurst sind in den USA und Kanada als Frühstück selten bis garnicht zu bekommen.

Nach dem Frühstück rauf aufs Fahrrad und in den Central Park. Ja, das Fahrrad bleibt das bewährte Fortbewegungsmittel. In der grünen Oase der Stadt ist der Autolärm weit weg. Eichhörnchen und Vögel hüpfen durch das Geäst der Bäume, alte Menschen sitzen gemütlich auf den Bänken am Wegesrand. Musikanten spielen Jazz, Pferdekutschen rollen durch den Park, es gibt Jogger, Familien, Fahrradfahrer alles ist irgendwie in Bewegung aber ruhiger und langsamer, sozusagen entschleunigt. Die Sonne hat die trüben Wolken vertrieben und strahlt jetzt vom blauen Himmel.

Nach unserer Entschleunigung stürzen wir uns wieder mitten ins Getümmel: Rockefellercenter und Top of the Rock, die Aussichtsplattform stehen noch auf der Liste. Die Straßen in Midtown Manhattan sind zum Teil alle gesperrt. Heute ist Kolumbus Day und der wird mit einer großen Parade gefeiert. Als Fußgänger und Fahrradfahrer nicht so problematisch, aber in den Straßen, wo Autofahren noch erlaubt ist, geht nichts mehr. Am Rockefeller Center sitzen wir bei 25 Grad in der Sonne, daneben wird auf der Eisfläche Schlittschuh gelaufen, die Bäume werden mit Lichterketten auf die Weihnachtszeit vorbereitet und von der 300 Meter entfernt vorbeiziehenden Parade klingt ein „O sole mio“ live gesungen herüber. Als anschließend das Ave Maria durch die Häuserschluchten klingt, läuft mir eine Gänsehaut den Rücken herunter.

Die Aussicht vom Rockefeller Center ist wunderschön. Auf der einen Seite der Central Park und auf der anderen Seite das Empirestate Building mit der kleinen Freiheitsstatur weit in der Ferne des Hafens. Es wird Zeit auf das Schiff zurück zu kehren. Wir suchen uns an einer Dockstation neue Fahrräder und fahren zum Hafen. Die Orientierung in der Stadt ist einfach, das quadratische Schachbrettmuster der Straßen und die Nummerierung erleichtern vieles.

Zurück am Schiff erfasst uns der „Lagerkoller“. Fast 2 Wochen jede Minute gemeinsam verbracht und schwierige Situationen zusammen durchgestanden, bringt die entscheidende Frage: sollen wir jetzt Kuchen oder Pizza essen? die angestauten Emotionen zum Ausbruch. Man merkt die Anstrenungen der Reise und der letzten Tage in der Großstadt.

Gewitter reinigt und zum Auslaufen aus dem Hafen ist der „Lagerkoller“ Geschichte.

Auslaufen ist für 18.00 Uhr vorgesehen und ich freue mich auf die glitzernde Skyline in der untergenden Sonne, aber wir haben Verspätung. Die Sonne geht unter und das Schiff bewegt sich noch keinen Meter, gut so- was dann kommt ist viiiellll besser.

Mit einsetzender Dunkelheit fahren wir endlich los. Die Skyline der Stadt, jetzt mit tausenden leuchtenden Punkten, zieht an uns vorbei. Im Hintergrund läuft Orrinoco Flow: Let me sail. Romantischer geht es kaum….Doch Mutter Natur setzt noch einen drauf…im Hintergrund der Skyline taucht ein gelbgold glänzender Vollmond auf. Erst kaum zu sehen, rutscht er immer höher und als er dann neben der Skyline über der Brooklynbridge hell erleuchtet und hinter uns der Pianist Frank Sinatras“ New York, New York“ spielt, kochen meine Emotionen über und mir laufen dicke Tränen übers Gesicht. Soooo schöööööönnnnn- so kitschig. Das würden die Filmemacher aus Holywood nicht besser hinbekommen. sis

New York 2.0

War New York gestern grün und entspannt, so ist es heute laut, bunt, voller Leute und chaotisch. Brooklynbridge und Times Square, der Hotspot aller Influenzer und aller anderen Touristen….wozu wir natürlich auch zählen, ist voll von Menschen.

Den Times Square mit seinen Leuchtwänden müssen wir uns auch Nachts noch einmal ansehen.

Jörg kommentiert das mit: von allem zuviel…Menschen, Lärm, Licht…Reizüberflutung.

Dazwischen finden wir unser Schiff, geben das Auto wieder ab und haben noch Zeit die alten Gebäude der Stadt anzusehen.Grand Central StationBücherei. sis

New York

Morgens noch einsam in dicker Jacke und Mütze am Strand spaziert, fahren wir 2 Stunden später mit vielen anderen gemeinsam Richtung New York.

Ich wäre gerne noch ein wenig an der Küste geblieben, hätte schöne Fotos von einsamen Stränden und Leuchttürmen gemacht, aber der Fahrer unseres Autos will los. Ich bin nervös wegen der großen Stadt und will es lieber noch herauszögern. Er ist nervös wegen des Verkehres und möchte es hinter sich haben. Ohne größere Schwierigkeiten finden wir unsere Unterkunft in Williamsburg, Brooklin. Raphael, dem die Wohnung gehört, empfängt uns freundlich. Sein Tipp ist über die Williamsbridge nach Manhatten zu laufen. Der Himmel ist blau und es sind 20 Grad. Perfekt.

An der Brücke angekommen finden wir den Fußgängerweg nicht, nur den Fahrradweg und gleich daneben eine Verleihstation. Also ab aufs Fahrrad.

Das ist so entspannt, schnell, einfach, super, dass wir den Rest des Tages Fahrrad fahren.

Meine Nervosität war vollkommen unbegründet. New York ist trotz der Größe relaxt, hip, grün, toll.

Ziele für heute: Wallstreet, 9/11 Denkmal, mit der Fähre an der Freiheitsstatur vorbeifahren, Brooklinbridge.

Fast alles geschafft. sis

Wilder Atlantik

Ermutigt durch 3 Tage blauen Himmel, Sonnenschein und freundliche 20 Grad tagsüber, rückt in der Planung Long Island und die Hamptons wieder an erste Stelle.

Eine Unterkunft ist schnell gefunden und gebucht. Das Wetter ist an der Küste zwar etwas schlechter gemeldet, aber gegen abend mit Sonne.

Wir fahren in Albany über den Hudson River, der fließt Richtung New York, und nehmen die andere Richtung. Durch bunte Wälder der Green Mountains fahren wir in die Wolken Richtung Küste.

In New London wollen wir die Fähre nach Long Island nehmen. 90 entspannte Minuten über den Atlantik mit schöner Küste und Leuchttürmen. Problem eins: Sturm und Regen

Problem zwei: wir haben keine Reservierung auf der Fähre. Also heißt es warten bis ein Platz frei ist. Als vorletztes Auto schaffen wir es. Puh.

Long Island ist das Reich der Kürbisse. Alle paar Kilometer gibt es tolle Stände. Unsere Nachbarin würde sich freuen.

Das Meer ist stürmisch und wild…wir hoffen morgen auf Sonne. sis

Wo ist der Stempel?

Auf dem Weg aus den USA nach Kanada hatten wir schon eine Brücke genutzt mit einer grandiosen Aussicht und gute Erfahrungen bei der Einreise.

Das wollten wir wiederholen. Auf der Thousend Island Bridge fahren wir an den Grenzübergang. Unsere Schlange macht Probleme, es geht nicht vorwärts. Immer wieder wird jemand herausgewunken. Wir sind gespannt aber nicht beunruhigt.

Als wir an der Reihe sind kommen erstmal die normalen Fragen: wo kommen sie her, wo wollen sie hin…aber dann: Wo ist ihr Einreisestempel? Sie müssen einen haben, wenn sie in den USA gelandet sind. Ratlosigkeit. Wir haben keinen….sehr verdächtig.

Wir werden rausgewunken, müssen das Auto samt Schlüssel abgeben und bis zur Klärung auf die Polizeiwache. Nach 1 1/2 Stunden, vielen Fragen (ich sollte dringend mein englisch vertiefen) und einem dicken Stempel im Pass dürfen wir einreisen.

Weiter geht es nach Albany., einem vermutlich kleinen Städtchen am Hudson River mit ein paar schönen alten Gebäuden.

Albany ist dann doch sehr groß und wir sehr spät….auf der Suche nach Essen fahren wir die Sehenswürdigkeiten schon mal im Dunkeln ab, landen zum ersten Mal in einem typisch amerikanischen Diner (günstig und gut) und beschließen Albany im Hellen nicht nochmal sehen zu müssen. sis

Einfach (und) gut.

Früchte, Müsli und Ei „Benedikt“ auf Bacon, leckere Hamburger mit griechischem Salat, gegrilltes Steak, Fisch, Bulgursalat, Gemüsepfanne anschließend gegrilltes Bananenboot.

Die spartanische Einrichtung der Hütte wird durch das gesündeste und leckerste Essen, welches wir bisher auf unserer Reise hatten, wettgemacht.

Danke an unsere kleine runde Köchin, die hier in der Nähe wohnt und die Gäste der Cabin (Hütte) bekocht. Sie freut sich jedesmal uns ihre Kreationen vorstellen zu dürfen.

Außer der Köchin gibt es Emilie und Evan. Beide Mitte 20 und unsere Guides. Evan ist ein kanadischer Naturbursche, macht Feuer, paddelte wahrscheinlich schon, bevor er laufen konnte und könnte sich sein Geld bestimmt auch als Star einer TV-Serie verdienen. Emilie ist wie eine blonde Waldelfe. Mit ihrem hüftlangen offenen Haaren schwebt sie durch den Wald, findet Elchspuren, zeigt uns Bieberburgen, lässt uns Gräser und Blätter kosten und kocht anschließend Tee daraus.

Wir haben uns wirklich wohlgefühlt und es wird eine herzliche Verabschiedung von unserer neuen Kurzzeitfamilie.

Unsere Pläne führen uns zurück an den Ontario-See. Kingston liegt ca 300 km östlich von Toronto am anderen Ende des Ontariosees, an der Einmündung zum St. Lawrence River. Hier beginnt das Gebiet der Thousand Islands.

1700 kleine und größere Inseln im St. Lawrence Fluss, die meisten in Privatbesitz und mit einem kleinen bzw. größerem Haus / Palast ausgestattet. Wir schauen uns die Inseln von einem Turm in der Mitte der Brücke zwischen USA und Kanada an. Freuen uns über die Aussicht und das schöne Wetter, nichts ahnend was noch kommt. sis

Verschwunden im Nebel

Unser letzter Tag im Nationalpark beginnt früh. Wir haben am Abend alle zugestimmt am frühen Morgen in den Sonnenaufgang zu paddeln…vielleicht hat der ein oder andere auch nicht genau zugehört.

6.15 ohne Kaffee oder Frühstück, dafür mit langer Unterhose, Mütze und Schal, geht es an den 15 min entfernten Kawaraka Lake. Das Auto zeigt -3 Grad und der Bootssteg ist gefroren.

Jeweils zu Zweit in einem Kanu geht es auf den See, es ist dunkel und nebelig. Meinen Kanusteuermann, kann ich nicht sehen, umdrehen bedeutet eventuell kentern, aber hören. Er grummelt vor sich hin, man sieht eh nichts bei dem Wetter, Sonnenaufgang wer braucht das schon, viel zu kalt, paddeln nie wieder usw. Irgendwie hat er ja recht, die Hände sind eiskalt (Handschuhe habe ich vergessen einzupacken), wir müssen aufpassen und paddeln, damit wir die anderen nicht verlieren und uns im Nebel verirren. Trotzdem, es ist skurril und wunderschön. Ich genieße die Stille, freue mich auf den Moment die Sonne zu sehen und bin happy. Irgendwo im Wald hört man Wölfe und irgendetwas anderes heulen.

Es wird langsam heller, wir trinken Kaffee und heißen Kakao auf dem See und langsam, ganz langsam lichtet sich der Nebel und die Sonne zeigt ein schwaches Licht.

Wir steuern eine Insel an, dort wartet schon ein Lagerfeuer auf uns und ein wenig später auch gebratener Schinken und Pancakes mit Ahornsirup.

Das Feuer, die immer stärker werdende Sonne, Schinken und Kaffee lassen uns wieder auftauen und der Rückweg wird auch dank geborgten Handschuhen von Paula ( als Kanadierin hat man wahrscheinlicht immer 5 Paar dabei) für alle ein schönes Erlebnis.

Indian Summer

Wolkenloser Himmel. Sonnenschein. Wandern. Relaxen. Sauna. Im See baden. Kanufahren. Grillen am Lagerfeuer. Fast lautlos im Mondschein über den spiegelglatten See fahren. Herbstfarben. Keine Moskitos.

Frost am Morgen. Paddeln bis die Arme weh tun. Tiere, die man nur hört und nicht sieht. Eingefrorene Beine und Hände am Abend. Alles hat seine zwei Seiten, trotzdem schön, einzigartig, unvergessen. sis

Surprise Lake

Ein kleiner See im Nirgendwo des Algonquin Parks mit einer Blockhütte. Eine genaue Adresse gibt es nicht, nur GPS Koordinaten und eine etwas dürftige Zeichnung. Der Weg von Toronto hier in die Wildnis wird erst schön als die Autoschlangen aufhören, die Straßen kleiner werden und die Bäume bunter. 300 km weiter im Norden ist die Welt gelb, rot, grün und umgeben von Seen und Tümpeln. 12.30 Uhr ist Treffpunkt in der Blockhütte. Wir sind gespannt was uns erwartet.

In der Hütte treffen wir auf unsere Gruppe für die nächsten Tage, 3 Schweizer, mit uns 5 Deutsche und eine Kanadierin. Wir werden uns bemühen die nächsten Tage englisch zu sprechen, damit Paula in Kanada auch etwas versteht….verrückte Welt.

Nach einem leckeren Essen geht es mit unserer ersten Kanutour los. Keine 2 Minuten später müssen schon 2 pitschnaß umkehren, da das Boot kentert, bei 12 Grad Luft und 10 Grad Wassertemperatur keine Freude. Wir gehen auch baden, später… völlig freiwillig nach einem entspannten Saunagang am Nachmittag.

Saunahaus mit der einzigen Dusche

Die Hütte hat 5 Schlafzimmer, 2 Toiletten, ein großes Wohn- und Esszimmer und eine Küche. Was es nicht gibt ist Strom, warmes WWasser und Handyempfang. Essen wird auf dem Feuer gekocht, Wärme kommt aus dem Kamin, beleuchtet wird mit Kerzen und Petroleumlampen. Auch die Sauna wird mit Ofen beheizt, der einen Wasserbehälter heizt zum Duschen.

Nach dem Abendbrot paddeln wir alle gemeinsam in einem großen Kanu auf den See, sehen die Sonne untergehen, hören auf die Stimmen der Tiere und paddeln im Mondschein zurück. Ich bin romantisch verzückt….

Die letzten Stunden des Tages lassen wir vor dem Kamin auf dem riesigen weichen Sofa bei Kerzenschein und Tee ausklingen. Jetzt doch in Deutsch…Paula schläft schon. sis