Hohenwartestausee

16.09.2020  29° sonnig, leicht bewölkt

7.00 Uhr Morgennebel zieht die Berge hinab und liegt bleischwer auf dem See, doch kurze Blitzer von hellem Blau lassen schönes Wetter erahnen. Zwei Stunden später pflügt unser Boot sanft schnurrend durch den Stausee. Das Wasser spiegelt den Himmel und rechts und links türmen sich bewaldete Berge auf. In unzähligen Biegungen schlängelt sich der See dahin und vielleicht ist das doch Kanada und nicht Thüringen? sis

Burg Burgk

15.09.2020  30° wolkenloser blauer Himmel

Es ist heiß und wir wandern. Den Reiseplaner sollte man feuern!!

11.00 Uhr geht es unterhalb des Parkplatzes von Burg Burgk los. Immer an der Saale entlang. Im schattigen Wald lässt es sich gut laufen und 16.00 Uhr haben wir das Schloss, den Koberfelsen und die Saaleschleife von allen Seiten und Höhenmetern gesehen.

Die Landschaft ist wundervoll.

40 Minuten Autofahrt später berghoch und bergab baden unsere müden Wanderfüße im Hohenwartestausee und wir haben unser neues Heim bezogen. Ein anstrengender aber wunderschöner Tag.  sis

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Zeulenroda

14.09.2020  27°sonnig

Gestern Abend im letzten Licht der Sonne funkelte uns eine Stadt entgegen. Das große ungewöhnliche  Rathaus thront in mitten der Häuser und nach vielen kleinen Dörfern und nicht vorhandener Gastronomie wächst meine Hoffnung auf etwas Shopping und lecker Essen.

Leider enttäuscht Zeulenroda bei Tageslicht. Eine Kleinstadt mit viel Leerstand, Angebote für Touristen sind wenig vorhanden.

Anders 500m außerhalb am See, dort steht das BioSeeHotel, hier bleiben keine Wünsche offen und nach einer Fahrradtour auf nicht vorgandenen Fahrradwegen, relaxen wir am Pool und sitzen in der Sonne, bis diese hinter den Hügeln verschwindet.

Morgen reisen wir weiter.  sis

Richtung Osten

13.09.2020   27°sonnig

Das Wetter ist prima, eine spätsommerliche Hitzewelle steht an und wir steuern auf unzähligen kleinen Straßen unserem Zwischenziel entgegen: der Oberweißbacher Bergbahn. 1919 eröffnet, geht es per Seilwinde 1200 Meter steil den Berg hinauf. Wir erwischen den Capriowagen und lassen uns gemütlich den Berg hochziehen. Sehenswert auf alle Fälle, sein Essen und Trinken sollte man aber mitbringen. Trotz viel Geduld unsererseits mussten wir durstig den Berg hoch und wieder hinunter.

In Neuhaus am Rennweg wartet, im wahrsten Sinn des Wortes, die komplett aus Holz gebaute Kirche auf uns. Eigentlich wollte ich nur ein Foto machen, doch der Stadtführer hatte wohl Sonntagnachmittags nichts zu tun und bot uns eine kleine Führung durch die Kirche an. Von Außen sah sie schon toll aus, aber als er die vergoldeten Kronleuchter einschaltete und das warme Licht auf das durch die Zeit fast schwarze Fichtenholz fiel, erstrahlt sie und verströmt  ein heimeliges wohliges Gefühl.

Die Zeit rennt und unser Ziel ist noch fern. Durch undurchsichtige Kiefernwälder, bergauf, bergab, durch winzig kleine Dörfer mit verschieferten Häusern geht es im Eiltempo immer weiter östlich. Bis sich die Landschaft verändert, die Wälder sich mit riesigen Weizenfelder abwechseln, Berg und Tal leicht hügelig wird. Willkommen im Thüringer Vogtland. Mit den letzten Lichtstrahlen des rotverfärbten Himmels erreichen wir unser Ziel: das Zeulenrodaer Meer. sis

Deutschland unentdeckt

Letztes Jahr hießen unsere Reisepläne: New York, Montreal, Toronto….dieses Jahr: Zeulenroda, Unterwellenborn, Rudolstadt.

Lange habe ich überlegt wohin die Reise zu „Coronazeiten“ gehen könnte. Es sollte mit dem Auto erreichbar sein, keine lange Fahrzeit, maximal 1 Woche und trotzdem meinen Entdeckersinn befriedigen, noch unbekannt und abenteuerlich sein. Puh…? Als weißer Fleck auf der Karte stellte sich das Ländereck Thüringen, Bayern und Sachsen heraus, das obere Saaletal. Völlig unbekannte Orte, bewaldete Berge, enge Täler und Wasser…eine Talsperre an der Nächsten.

Was spannend klang sollte sich auch bei der Reiseplanung als spannend herausstellen. Üblicherweise reicht ein wenig googlen aus, um einen guten Überplick über Sehenswürdigkeiten, und Unterkünfte zu bekommen. Im östlichsten Teil des Thüringer Waldes ist Internetpräsenz nicht selbstverständlich und wenn es Webseiten gibt, sind diese grauenvoll, unübersichtlich und lassen keine Buchungen zu. Nun steht aber die Route und ich bin gespannt, ob wir nach der Woche Lust auf mehr unentdeckte Flecken Deutschlands haben.

Fazit und ein paar lustige Anekdoten

Wir sind gelandet, zurück in Deutschland. Die Reise war toll und anstrengend.

Unbedingt zu empfehlen: Fahrradfahren in New York, Toronto, Niragara Fälle, Tousend Islands, Kingston, Quebec!!, New Scotica und auf jeden Fall Kanu fahren im Algonquin Park.

Nicht zu empfehlen: Autofahren in Großstädten ohne richtiges Navi, für eine Nacht bei Sturm in die Hamptons zu fahren.

Wir sind glücklich, dass alles gut verlaufen ist und wir gesund und munter, mit neuen Erfahrungen zurück sind. Danke für das Feedback zu unserem Blog. Unten gibt es zum Abschluss noch ein paar gesammelte Anektoden.

1. Mein Name ist Betty.

Starbucks hat sich in Laufe unserer Reise zum beliebtesten Anlaufpunkt für eine Pause entwickelt. Immer verfügbares gutes Internet, eine brauchbare Toilette und leckerer Kaffee inkl. des sehr einladenden Kaffeduftes führten zu häufigen Besuchen.

Es gab nur ein Problem: unsere Namen. Beim Kaffee bestellen wird man nett nach dem Namen gefragt und wartet anschließend auf den Becher mit dem richtigen Namen. Jörg und insbesondere Silke, für Amerikaner und auch Kanadier ganz schwierig. Nachdem ich es mehrfach in unterschiedlichen Betonungen probiert hatte (besser als Zeke wurde es nicht) begann ich mich umzubenennen und bingo…Betty klappt super.

2. Kannst du es auch sehen?

In unserer zweiten Nacht mit dem Kanu auf dem See, warteten wir alle geduldig und still auf den Elch. Im Unterholz des Waldes knackte es gewaltig und wir fühlen und hoffen der Elch kommt ans Ufer. Plötzlich kommt auf der linken Seite im Wasser in der Ferne etwas auf uns zu. Es sieht groß aus. Flüsternd verständigen wir uns. Wir alle sehen es, es kommt weiter auf uns zu. Was es ist, lässt sich im Dunst des Abends nicht ausmachen. Ein Elch? Spannung! Dann ist es weg. Scheinbar spurlos untergetaucht, ohne Welle, wie verschluckt vom See. Wir fühlen unter dem Boot im Wasser etwas. Dann ist wieder alles still und ruhig. Flüsternde Unruhe im Boot, nachfragen untereinander: du hast es doch auch gesehen? wo ist es hin? was war das?

Die Anspannung weicht, Vermutungen werden flüsternd geteilt von Touri-schreck über Außerirdische ist alles dabei. Wir müssen leise kichern und am Ende der Fahrt fragt Paula ( unsere Kanadierin) was los war…sie habe kein Wort verstanden und das ganze Boot hätte vibriert von unserem Gekichere.

Was es genau war…bis heute nicht geklärt. Vermutlich ein Biber mit Ästen im Maul…oder Nessi von Loch Ness?

3. Lost in New York

Wenn man zu zweit reist und der Eine oder der Andere ab und zu stehen bleibt oder wo anders hinrennt, kann man sich auch mal verlieren. Den für mich schlimmsten Fall von „Lost“ gab es am ersten Abend in New York. Es war schon dunkel und wir wollten zurück zu unseren Airbnb Unterkunft im Williamsburg, einem Stadtteil von New York. Kurz vorher hatten wir uns neue Fahrräder geliehen und über den besten Weg gesprochen, es gab 2 Optionen, rechts oder links nach der Straßenkreuzung. Also los. Die Ampel wird hell. Wir fahren los. Ich muss mehreren Fußgängern ausweichen und sehe Jörg nicht mehr. Irgendwie weiß ich auch nicht mehr ob links oder rechts…Mist…und nun? Ich bleibe stehen. Am Besten warte ich, er wird ja merken, dass ich nicht hinter ihm fahre. 10 Minuten später warte ich immer noch. Es ist dunkel, rechts von mir ein noch dunkler Park. Anrufen? Geht nicht sein Akku war vorhin leer. Da kommt jemand auf dem Fahrrad….das könnte er sein? Biegt kurz vor mir in den Park! Hinterher? Lieber nicht?! Was tun? Gedanken rattern. Nach weiteren 15 Minuten sehe ich ihn. Endlich!!! Mir fällt ein Stein vom Herzen, ihm vielleicht auch…aber Männer sind ja so pragmatisch.

4.Alzheimer

In Halifax haben wir eine nette ältere Lehrerin, die unsere Gruppe als Guide begleitet. Sie heißt Paula (anscheinend ein beliebter Name in Kanada) und trotz ihres guten akzentfreien Deutsches, sucht sie immer mal nach einer Vokabel…oder verliert den Faden. Sie entschuldigt sich für die „Senioren Moments“. Und meint anschließend, dass das doch viel besser im Englischen klingt wie „Alzheimer“ im Deutschen. sis

Montreal

Letzter Tag. Heute heißt es ab in den Flieger und zurück nach Hause.Vorher bekommt Montreal noch eine Chance sich von der schönen Seite zu präsentieren. Das Wetter ist etwas besser und ja, es gibt auch schöne Ecken in der zweitgrößten französisch sprechenden Stadt der Welt, nur Paris ist größer.

Wir fahren auf den königlichen Berg „Mont Royal“ und genießen den letzten Blick auf Montreal und Kanada. Mit etwas Abstand und von oben sieht die Stadt gut aus. Trotzdem wird sie von uns mit dem „Kann man machen, muss man aber nicht“ versehen. Wenig später sind wir am Flughafen und starten unsere Rückflug Odysee: Montreal, Toronto, Reykjavik, Amsterdam. Nach dem Motto: wer billig fliegt, sieht mehr von der Welt (zumindest Flughäfen). sis

Abschied vom Indian Summer

Montreal…die große schmutzige Schwester von Quebec. Konnte ich mich gestern vor Verzückung kaum retten, so schön war Quebec, sind wir heute enttäuscht. Müll und Dreck in den Straßen, verlotterte Gestalten an jeder Ecke. Schön ist die Kirche Notre Dame. Aber sonst?Was macht man, wenn einem die Stadt nicht gefällt? Man geht in den „Botanic Garden“ und taucht nochmal ab in den Indian Summer. Der Himmel ist bedeckt und ein kalter Wind weht die bunten Blätter durch die Luft. Es riecht nach nassen Laub und Herbstwald. Zeit nach Hause zu kommen.

Quebec

Die schöne französiche Stadt…mitten in Kanada. Bonjour erschallt es fröhlich bei Betreten der Stadt. Es riecht nach Kaffee, Croissants und Crepes, französische Sprache und Musik klingt durch die Gassen, sämtliche Schilder natürlich Französisch und es sieht auch so aus. Wer weiß wo die uns über Nacht hingefahren haben…gebeamt an die Saine oder Loire.

Wir verbringen nach 3 1/2 Wochen den ersten Tag getrennt. Unser ausgefallener und der missglückte Ausflug lassen etwas Budget für Neues. Jörg möchte einen Ausflug machen, ich lieber in den kleinen Gassen gemütlich bummeln. So bleibt mir viel Zeit für schöne Bilder. sis

Schiffstage

Das Schiff gleitet scheinbar geräuschlos durch endloses Grau. Die dunkle graue See verschmilzt mit den tiefen grauen Wolken am Himmel. Nur ab und zu flimmert das Meer silbern, da wo die Sonne mühsam ihre Stahlen durch die dicke Wolkendecke drückt. Dahingleiten macht müde, ein Übriges tut das übige Essen, man sucht sich einen ruhigen Platz mit Sicht aufs Wasser und entspannt. Natürlich hinter der Scheibe, draußen weht ein kräftiger Wind bei 7 Grad.

Heute ist die Welt um uns blau, blauer Himmel, blaues Meer und Sonne. Also raus aufs Deck. Gut eingepackt, wieder mit Blick aufs Wasser geht es Richtung Quebec. Der St. Laurenz Strom ist 200 km breit und Whalgebiet. Wir hoffen auf ein Blasrohr in der Ferne…ohne Erfolg. Ein schöner Sonnenuntergang krönt unseren Tag. Zitternd stehen wir am Bug des Schiffes und sehen die Sonne im Fluss versinken. 6 Grad Außentemperatur und steifgefrorene Finger: Nie wieder Kanada ohne Handschuhe.

Jörg hat eine Neuanschaffung getätig. Mit dieser kann er sogar romantische Sonnenuntergänge anschauen. Es erkennt ihn ja keiner…oder jetzt erst recht. sis