12.01.2025 19°
6.30 weckt uns das Chaos. Durch das geschlossene Fenster dringen Stimmengewirr, laute Rufe und Megafon Stimmen an unser Ohr. Wir haben es gewußt, gefürchtet, aber nicht so früh damit gerechnet. Die ersten Besucher der Versammlung sind unterwegs.
Gestern haben wir einen Plan mit Evelyn und Braulio geschmiedet, wie wir am Besten der Flut der Menschen entkommen. Alle Straßen sind im großen Umkreis um den Zocalo gesperrt, Metro-Stationen auch. Es geht nur zu Fuß. Wir müssen aber mit Gepäck zum Flughafen. 12.50 geht der Flieger nach Tulum.
Unser Frühstück nehmen wir auf der Terasse des Hotels ein und haben dabei einen guten Blick auf den Platz.

In das Hotel kommt man jetzt nur noch mit Sicherheitskontrolle und Durchleuchtung.
Braulio holt uns zu Fuß ab und wir gehen entgegen allen anderen weg vom Zocalo, durch die breite Fußgängerzone. Das geht besser als erwartet.
Gestern Abend sind wir schon einmal über die Fußgängerzone gebummelt. Die Geschäfte waren alle geöffnet, Händler schrien um ihre Waren anzubieten. Kinder oder Blinde spielten Musik um Geld zu sammeln. Fliegende Händler hatten Tücher mit Waren ausgebreitet und jeder wollte woanders hin rechts, links, geradeaus. An den Ampel starte sich die Menge um auf die Empfehlung grün oder eine freie Lücke zu warten. Für Menschen vom Dorf reinster Horror, nicht weil wir uns unsicher fühlen, sondern reinste Reizüberflutung.

Evelyn hatte uns den Tip gegeben auf den Lateinamerika Turm zu fahren, dort gebe es eine schöne Aussichtsplattform. Ich fand ihn vor 2 Tagen schon sehr schief aber sie meinte, er hat alle beiden großen Erdbeben überstanden und wird nicht umfallen. Das mulmige Gefühl bleibt und als wir die Schlange an der Eintrittskasse sehen, beschließen wir dem mulmigen Gefühl zu folgen und nicht hochzufahren. Stattdessen gibt es noch etwas Leckeres zu essen ( wir freuen uns immer, wenn das bestellte Essen schmeckt, weil keiner Englisch versteht und der Übersetzer nur mit Wifi funktioniert) und dann geht es durch den Menschendschungel zurück ins Hotel und ins Bett, endlich schlafen.
Heute morgen also, ohne fliegende Händler, Ampeln ( Straßen sind ja gesperrt) und geschlossenen Geschäften ist es immer noch voll aber es lässt sich besser laufen, bzw rennen. Die Männer mit den Koffern vorneweg und ich muss sehen, dass ich sie nicht verliere. Im weit entfernten Parkhaus angekommen, bietet mir eine Mexicanerin ihren Platz an. Man muss ich fertig aussehen, an die dünne Luft der Stadt hab ich mich nicht gewöhnt.



Gegen 10.00 ruft Evelyn an und fragt ob wir gut rausgekommen sind. Sie hat im Fersehen gesehen, dass jetzt auch die Fußgängerstraßen gesperrt sind. Aus der Stadt raus haben wir Reisebus an Reisebus gesehen auf dem Weg in die Stadt und sämtliche Parkstreifen waren bereits mit Bussen zugeparkt. Wir sitzen bequem im Auto Richtung Flughafen und feiern unseren Helden Braulio, der uns 3 Tage durch die Wirren des Verkehrs geleitet hat.
Erstaunt reagieren wir auf Evelyns Frage ob wir das Erdbeben gut überstanden haben. Erdbeben? Ja, nachts 2 Uhr mit einer Stärke von 6,1. Überall ging der Voralarm an, es wäre aber nichts schlimmes passiert. Wir haben nichts gehört und gemerkt, sondern tief und fest geschlafen. 2 Tage volles Programm haben uns geschafft.

Mit einem letzten Blick auf die verschneiten Gipfel der Vulkane verlassen wir CDMX und freuen uns auf die Wärme in Tulum ( hoffentlich)
Hola.sis